Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...
Gestern fand der 8. Frankfurter Halbmarathon statt und zwar auf völlig neuer Strecke mit Start und Ziel an bzw. in der Commerzbank Arena. Das lockte bei trockenem und mäßig windigem Wetter bei ca. 8 Grad über 3400 Läufer an den Start.
Ich hatte ganz gut geschlafen, gönnte mir ein kleines, kohlehydrathaltiges Frühstück und machte mich schon um 6.45 auf zur Arena. Ich hatte mich als Helferin zur Startnummernausgabe gemeldet. Das ist immer eine sehr vergnügliche Arbeit. Viele wissen ihre Startnummer nicht, geben eine falsche an und sind dann erstaunt, wenn auf der Startnummer beispielsweise "Hannelore" statt "Jürgen" steht. Kurz nach 9.30 Uhr musste ich aber los. Erst noch einmal auf die Pipibox, dann raus zum lockeren Warmlaufen.
Ich startete frech in dem Block, der eine Wunschlaufzeit von 1:40 bis 1:50 vorgab - und Wünsche kann man ja haben. ;) Und es ging auch gut los. Bis km 6 hatte ich schon einiges an Vorsprung zu einem 6er Schnitt herausgeholt. Wenn ich die 21,1 km in unter 2 Stunden laufen wollte, müsste ich im Schnitt 5:35 laufen. Oder so.
Meine offizielle 10 km Zeit war 55:45, also genau ein 5:35er Schnitt. Und ich war recht gut drauf. Ein paar bekannte Gesichter an der Strecke trugen noch dazu bei. Diesen Schnitt müsste ich also beibehalten. Erste Zweifel kamen auf - und dann kam die Stresemannallee! Schlaglöcher und holpriger Untergrund ohne Ende - ich musste vorsichtiger laufen und somit langsamer. Die nächste Schwierigkeit kam am Ende der Unterführung zur Mörfelder Landstraße hinauf. Ja, hinauf. Und wie lange hinauf. Also, mir kam es unendlich vor. Die Organisatoren wussten schon, warum sie am Ende gleich mal eine Verpflegungsstelle aufgebaut hatten... Dort habe ich mir erst einmal zwei Becher Wasser gegönnt (gehend) und habe mich dann weiter auf den Weg gemacht. Noch ca. 6 km... Es wurde windiger, ich spürte meine Füße wie Kloben, die nicht wirklich zu mir gehören. Zumindest der rechte Fuß tat mir an der Außenseite ziemlich weh. In Gedanken malte ich mir aus, wie ich an der Isenburger Schneise einfach GEHEND abkürze und heimwärts schlendere. Ich hatte eigentlich genug. Genau das Problem, das sich seit Wochen habe mit den längeren Läufen: irgendwann reicht es mir. Ab km 17 war mir klar, dass der herausgelaufene Vorsprung der ersten Hälfe so ziemlich weg sein musste. Mir war alles egal. Ich wollte dann zwar nicht mehr aufgeben, aber ich konnte auch nicht mehr schneller. Die Reserven waren weg. Körperlich noch mehr als mental. Dann die Flughafenstraße! Km 19 und man sah die Commerzbank Arena ganz nah. Und dann mussten wir noch 2,1 km um dieses olle Ding herumlaufen. Das hat sich gezogen wie Kaugummi. Die Krönung war dann das Überqueren einer Brücke vor der Arena. Eine Brücke, wenn man quasi schon "fertig wie eine Weihnachtsgans" ist!!! Eieiei. Nun ja, ich dachte nur "Augen zu und durch, Sabine, lauf einfach weiter".
Ein paar Aufmunterungsrufe "Ziel ist nicht mehr weit" oder "Gleich isses geschafft", haben mich dann noch einmal aufgemuntert und die Gewissheit, dass im Ziel mein Schatz und mein bester Freund auch mich warten.
Meine Forerunner stoppte bei 2:01, aber meine offizielle Zeit war dann 02:02:00. Glatt.
Ich war fix und alle, aber ich erhole mich zum Glück immer sehr schnell.
Die neue Strecke ist auf jeden Fall eine Verbesserung, das muss ich klar sagen. Die alte Strecke hatte auch ihre Steigungen und langweiligen Abschnitte, da ist die neue Strecke schon rein optisch schöner. Vor allem die 2 km am Main entlang, wo ich jeden Grashalm kenne.
Letztes Jahr habe ich 2:07 gebraucht, also verbuche ich das mal als Leistungssteigerung.
Mir hat gestern das "Fahrgestell" noch gehörig weh getan. Ist schon gut, dass ich mich gegen den Marathon in Mainz in ein paar Wochen entschieden habe. Wie würde ich da nachher rumkrabbeln? Wahrscheinlich auf allen Vieren.
Tja. Zwischen WOLLEN und KÖNNEN ist ein Unterschied. Das habe ich gestern wieder gespürt. Wenn nichts mehr geht, geht nichts mehr. Aber wenn ich bedenke, wie viele Menschen erst überhaupt nicht in der Lage sind, einen Halbmarathon zu laufen und das in dieser Zeit, so kann ich doch sehr zufrieden sein. In Anbetracht meiner laschen Vorbereitung bin ich noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Beim nächsten HM werde ich wieder besser vorbereitet sein.
Hier der Rundkurs durch das südliche Frankfurt:
Bei diesem super organisierten Lauf trete ich nächstes Jahr wieder an, sofern ich gesund bin.

Herzlicehn Glückwunsch super gemacht.
AntwortenLöschenSo schnell wäre ich auch gerne mal :-)
Gute Erholung un ddein Tapering scheint genau richtig gewesen zu sein.
Liebe Sabine,
AntwortenLöschenich finde auch das Du sehr zufrieden sein kannst, weil Du eben zu dem kleineren Anteil der Bevölkerung Dich zählen darfst die einen Halbmarathon und vor allem in der Zeit laufen können.
Ich gratuliere Dir ganz ♥-lich!!
Leg die Beine hoch und dann auf zu neuen Schandtaten (hast Du schon einen nächsten HM im Sinn?;))
Fein gemacht, liebe Sabine! Und natürlich kannst du das als kräftige Leistungssteigerung verbuchen. Nach dem Wintertraining mit wetterbedingten Hindernissen, nach deinem kleinen "Durchhänger" in den letzten Wochen hast du einen tollen Lauf hingelegt. Ich wäre froh, wenn ich in 10 Tagen (Freiburg-HM) so eine Zeit laufen würde. Und gleichzeitig hast du deine momentane körperliche Grenze kennen gelernt ... und kannst jetzt entscheiden, ob und wie du sie weiter hinausschieben willst, um noch schneller zu werden!
AntwortenLöschenErst einmal aber gute Erholung, ruh dich ein wenig aus und genieß deinen Erfolg!
Liebe Grüße
Anne